Frankfurter Neue Presse: „Studien- und Karriereberatung in Frankfurt. In sechs Stunden den richtigen Studiengang finden“

Kristina Seum (35) ist Diplom Pädagogin und Gründerin von „talentraum“, einer Studien- und Karriereberatung in Frankfurt. Diese Beratung richtet sich an Schüler, die vor der schweren Entscheidung stehen: Studieren? Und was? FNP-Mitarbeiter Thomas J. Schmidt hat mit ihr gesprochen.

 

Das Abi ist geschrieben. Wie schwierig ist es für Schüler, den passenden Studiengang zu finden?

KRISTINA SEUM: Aktuell werden an 450 deutschen Hochschulen und Universitäten etwa 10 000 Bachelor-Studiengänge angeboten. Darunter die Klassiker wie Betriebswirtschaftslehre (BWL), Jura, Medizin, aber auch sehr exotische Studienfächer. Für viele ist das schlicht überfordernd. Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach aber das fehlende Wissen um die eigenen Stärken, Interessen und Perspektiven.

Liegt es an G8? Die Schüler sind viel jünger als früher, vielleicht sind sie ja auch unreifer.

SEUM: Ich kann dahingehend keine eindeutigen Veränderungen feststellen. Die Frage nach der eigenen Zukunft war schon immer schwierig zu beantworten. Wir versuchen in den Gesprächen mit Eltern und Schülern immer klar zu machen, dass es sich um eine Entscheidung handelt, die nicht unbedingt das ganze weitere Leben bestimmt.

Also etwas weniger Angst bei der Studienwahl?

SEUM: Ich wünsche mir, dass diese Zeit wieder stärker als Chance, und nicht so sehr als Problem wahrgenommen wird. Anders als in der Schule, kann ich mir jetzt nämlich aussuchen, womit ich mich in den kommenden Jahren beschäftigen möchte. Das ist doch toll. Und bei 10 000 Studiengängen ist für die allermeisten sicher was dabei.

Was sind die kuriosesten Fächer?

SEUM: Es gibt eine ganze Reihe sogenannter Orchideenfächer. Mir fällt da spontan Coffeemanagement in Hamburg ein. Angewandte Freizeitwissenschaft, Bionik oder Afrikanische Sprachen, Literaturen und Kunst sind auch eher exotische Studiengänge…

Sie beraten Schüler. Ihr Unternehmen „talentraum“ bietet ein alternatives Angebot zur Beratung an Hochschulen oder der Agentur für Arbeit. Was ist der Unterschied?

SEUM: Ein wesentlicher Unterschied ist sicherlich die Zeit, die wir uns für die Beratung nehmen. Eine Einzelberatung dauert bei uns einen ganzen Tag plus Auswertungsgespräch einige Tage später. Wir bieten auch Workshops mit vier bis acht Teilnehmern, die auch ein oder sogar zwei Tage dauern.

Spielen wir es mal durch. Ich komme zu Ihnen, hatte vielleicht Kunst und Chemie im Leistungskurs und frage Sie, was ich jetzt studieren soll. Was passiert?

SEUM: Meine erste Frage wäre sicherlich: Warum wollen Sie studieren? Für viele ist diese Frage schon schwer zu beantworten und oft auch etwas überraschend. Es sollte aber klar sein, möchte ich studieren, weil ich Lust dazu habe, weil es Tradition in der Familie ist oder weil ich nicht weiß, was ich stattdessen machen soll. Nur wenn ich wirklich Lust auf ein Studium habe, macht die Suche nach dem passenden Studiengang Sinn.

Dann würden Sie zwei Drittel ihrer Kandidaten gleich wieder heimschicken?

SEUM: Nein, natürlich nicht. Wir schicken niemanden nach Hause. Wir würden versuchen herauszufinden, was es statt eines Studiums sein könnte. Vielleicht passt ja eine Berufsausbildung gerade besser. Eventuell macht es auch Sinn, erstmal ein freiwilliges soziales Jahr einzulegen, den Kopf frei zu bekommen, und danach zu studieren.

Wie sieht so ein Beratungstag bei Ihnen aus?

SEUM: Ein Beratungstag beginnt gegen 9 Uhr. Am Anfang steht zunächst einmal das Kennenlernen. Im Anschluss daran folgen eine ganze Reihe Tests. Letztlich geht es dabei immer um die Beantwortung der Fragen: Was spornt mich an? In welchem Umfeld leiste ich viel? Was konnte ich schon immer besonders gut? Vor allem aber: Was ist mir wichtig – im Studium, im Beruf und im Leben? Entscheidend ist für uns aber der umfassende persönliche Dialog, durch den wir die Testresultate einordnen und den Menschen dahinter besser kennenlernen. Dies ist aus unserer Sicht durch nichts zu ersetzen und der Kernpunkt unseres Beratungskonzeptes. Der Tag endet in der Regel gegen 16 Uhr. Etwa eine Woche später findet dann ein Auswertungsgespräch statt.

Wer wendet sich häufiger an Sie: Eltern oder die Schüler?

SEUM: Ganz klar die Eltern. Den Schülern fehlt in diesem Alter häufig noch das Gefühl für die Herausforderungen bei der Studien- und Berufswahl. Das ist aber völlig normal. Schließlich werden Entscheidungen zu einem Zeitpunkt erwartet, zu dem es den Jugendlichen aufgrund schulischer Anforderungen und persönlicher Lebenslagen schwer fällt, sich eigenverantwortlich mit langfristigen Perspektiven auseinanderzusetzen.

Sind das dann die oft zitierten „Helikoptereltern“?

SEUM: Überhaupt nicht. Die Eltern möchten ihr Kind schlicht in dieser wichtigen Phase unterstützen. Eltern sind wichtige Ansprechpartner. Es muss aber immer klar sein, dass am Ende die Schüler die Entscheidung treffen müssen. Das kann ihnen niemand abnehmen.

Was kostet Ihre Beratung?

SEUM: Ein Tag Einzelberatung kostet 750 Euro, der Ein-Tages-Workshop kostet 275 Euro, zwei Tage kosten 450 Euro.

Die Abbrecherquoten sind hoch, trotz der Bemühungen der Hochschulen etwa mit eigenen Studienberatungen. Liegt es auch an der falschen Wahl des Studienfachs?

SEUM: Probleme entstehen, wenn sich die Studieninteressierten nicht mit ihren Talenten, Interessen, Zielen sowie den Anforderungen und den Inhalten des Studienfachs auseinandergesetzt haben. Untersuchungen zeigen, dass es drei wesentliche Gründe für den Studienabbruch gibt – wobei diese nicht getrennt voneinander zu betrachten sind: Zu hohe Leistungsanforderungen, geringe Motivation und finanzielle Probleme.

Wann sollte ich als Schüler anfangen mich mit meinen Möglichkeiten nach der Schule zu beschäftigen?

SEUM: Spätestens im Abschlussjahr sollte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema beginnen. Eine fundierte Studienwahl braucht Zeit. Außerdem endet die Bewerbungsfrist für bestimmte Studiengänge, vor allem duale, häufig bereits ein Jahr vor dem eigentlichen Studienstart.

Eine letzte Frage: Wie haben Sie Ihr Studium gefunden?

SEUM: Um ehrlich zu sein, war es bei mir eine Kombination aus einer vagen Ahnung um meine Interessen und Talente und einer großen Portion Glück.